DDR-Literatur

 

„Die Existenz einer Literatur ist nicht deckungsgleich mit der Existenz von Staaten. Die DDR-Literatur ist nicht zu bestreiten; sie ist die hier entstandene und entstehende deutsche Literatur“

Stephan Hermlin, 1978

 

Entstehung der DDR-Literatur

Das literarische Leben in der sowjetischen Besatzungszone nahm im Juli 1945 mit der Gründung des Kulturverbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands seinen Anfang, dessen erster Präsident der Schriftsteller Johannes R. Becher (später Kulturminister der DDR) wurde. Der Kulturverband sollte durch die Mitgliedschaft von Schriftstellern bürgerlicher und nichtsozialistischer Herkunft einen überparteilichen und antifaschistisch-demokratisch Charakter erhalten. Organ des Kulturbundes war die Zeitschrift „Aufbau“, deren Autoren z. B. Thomas Mann angehörte. Es wurde versucht, namhafte Emigranten als führende Kräfte für einen geistigen und politischen Neuanfang zu gewinnen. Diese Phase wurde in der DDR-Geschichtsschreibung auch als „antifaschistisch-demokratische Umwälzung“ bezeichnet.

Mit der Gründung der DDR 1949 wurden staatliche Leitlinien für die Kultur aufgestellt. Dieser sozialistische Realismus beinhaltet die Prinzipien lebensrechtlich, volkstümlich, sozialen Optimismus, die Darstellung des Typischen sowie eine Identifikationsfigur (proletarischer Held). Grundlage ist das marxistische Kunstverständnis, wonach alle geistigen Produkte Teil des ideologischen Überbaus, der sich über der materiellen Basis der Produktionsverhältnisse einer Gesellschaft erhebt.

 

Die wichtigsten Literaten

 

Die Literaten wurden somit zu einem Träger der Gesellschaft erklärt. Beispielhaft für diesen Zeitraum ist das Theaterstück „Du bist der Richtige“ von Gustav von Wangenheim, welches die Bekehrung eines Außenseiters um begeisterten FDJler zeigt. 1954 wurde mit der Gründung des Literaturinstituts eine neue Phase eingeleitet. Die SED forderte die Arbeiter zum Schreiben von Romanen und Gedichten über ihren Alltag (Brigadetagebücher) auf, während Schriftsteller in die Produktionsstätten gehen sollten, um den sozialistischen Alltag künstlerisch zu gestalten. Mit dem Tod Stalins beginnt in der DDR ein Aufbegehren Intellektueller gegen die vollständige Politisierung der Kunst. Die Schriftsteller selber sahen ihre Wunschrolle als kritische Begleiter des Aufbaus der neuen Gesellschaft. Im Sinne Berthold Brechts wurde auf Breite und Vielfalt der realistischen Schreibweisen plädiert.

Auf der Bitterfeld Konferenz 1959 wurde der Plan des Austauschs zwischen Schriftstellern und Arbeitern mit den Parolen Greif zur Feder, Kumpel! und Schriftsteller an die Basis! schließlich in die Tat umgesetzt Bitterfelder Weg. Allerdings scheiterte das Vorhaben bis auf wenige Ausnahmen.

Anfang der sechziger Jahre etablierte sich in der DDR-Literatur der Umgang mit dem sozialistischen Alltag, d. h. die Phase der Aufbau-Literatur galt als abgeschlossen. Ein Bestandteil dieser Zeit waren kritische, jedoch nicht ideologisch angreifende Werke, die den realen Sozialismus mit der Utopie verglichen (zu dieser Bewegung war auch der Wegfall der DDR als Referenzstaat im Bild vieler zu Anfang enthusiastisch am Aufbau beteiligten Autoren. Dies zog eine Liberalisierung der staatlichen Vorgaben für Literatur nach sich, welche eine größere Vielfalt von Themen und Schreibstilen zuließ. Diese neue Entwicklung, eng verbunden mit den politischen Änderungen nach dem Rücktritt Ulbrichts (mehr Selbständigkeit und Eigenverantwortung im Arbeitsprozess), wurde 1971 vom neuen ZK-Sekretär Honecker verkündet: Wenn man von der festen Position des Sozialismus ausgeht, kann man es meines Erachtens auf dem Gebiet der Kunst und Literatur keine Tabus geben“. Der direkten Kritik gegen sozialistische Grundpositionen waren allerdings weiter enge Grenzen gesetzt. Eine erneute Zäsur in der Kulturpolitik fand bereits wenig später statt. Die Ausbürgerung des bereits 1965 zu Auftrittsverbot verurteilten Liedermachers und Autors Wolf Biermann( der zuvor freiwillig in die DDR gezogen war) zog eine starke Solidarisierung der DDR-Schriftsteller gegen diese Tat mit sich (1976). Allzu harte Kritik wurde mit dem Ausschluss aus dem Schriftstellerverband und der Aufforderung zur Ausreise (Exodus) in die BRD bedacht. Da viele der bedeutendsten Schriftsteller dieser Aufforderung nachkamen, , war dies ein großer Verlust für die Literatur in der DDR. Es folgt eine Welle von Ausschlüssen aus dem Schriftstellerverband aufgrund von Romanveröffentlichungen)

In den achtziger Jahren fand in der DDR-Literatur ein Balanceakt auf dem schmalen Grad zwischen Kritik und Zustimmung statt, der sich meist in einer Befürwortung des Sozialismus prinzipiell, jedoch der Ablehnung seiner Ausprägung in der DDR äußerte. Die zunehmende Umweltverschmutzung war ein beliebtes Thema als Verpackung der Botschaften. Am Prenzlauer Berg in Berlin fand sich eine Gruppe von Künstlern zusammen, die als eine der wenigen Institutionen die Möglichkeit hatte, ihre Werke innerhalb der Szene ohne jegliche Kontrolle durch den Staat zu publizieren. Auch unter dem Schutz der Kirche fanden einige Autoren ein Forum für ihre Veröffentlichungen.

Bis 1990 behielt der Staat seinen repressiven Kurs gegenüber kritische Literatur bei, seine Kontrollmöglichkeiten wurden jedoch in Folge der Sowjetischen Reformpolitik zunehmend geringer.

 

Wichtigsten Autoren der DDR-Literatur

 

Christa Wolf: Der geteilte Himmel und Nachdenken über Christa T.,

(Autorin Christa Wolf z. B. absolvierte ein Praktikum im VEB Waggonbau Halle)

Hermann Kant: Die Aula

Jurek Becker: Jakob der Lügner

Sarah Kirsch: Gespräch mit dem Dinosaurier

Erich Loest: Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene

Monika Maron: Stille Zeile sechs

Stefan Heym: Collin

Rolf Schneider: November

Günter Kunert: König Midas

Erich Hilbig: Neapolis